
Die Eisheiligen waren dieses Jahr pünktlich. Das Einströmen kalter, feucht-labiler Meeresluft versprach gute Voraussetzungen für das Vorhaben, mit der Rhönlerche einen Streckenrekord aufzustellen. Allerdings führte die Labilität zu Gewittertätigkeit, so dass erst am Freitag, den 16. Mai die notwendige Stabilisierung durch schwachen Zwischenhocheinfluss möglich schien.
Organisationsaufwand für Flüge in der Woche: mit dem Schäfer sprechen, dass die Schafe an diesem Tag nicht auf der Startbahn stehen, einen F-Schleppiloten und 2 Helfer organisieren. Ein Rückholer für den ganzen Tag war nicht aufzutreiben, egal.
Der Wetterbericht versprach mäßig bis gute Cumulusthermik, abends Abschirmung. Ich entschied mich wegen des schwachen Windes für ein 300 km Dreieck. Um 11.50 Uhr Ortszeit steigt die Rhönlerche hinter der Aeronca Champion zum Abflugpunkt.

Danke an Rolf, Annette, Matthias, Siggi, Dirk und Phillip. Ich taste mich langsam vor Richtung Sauerland und komme bei Altena Hegenscheid erstmals an die Basis, nur 1500 m. Vorsichtig fliege ich weiter Richtung Süden. Einen Mc-Cready Ring brauche ich nicht. Schon bei 80 km/h rauscht und faucht die Rhönlerche, der Höhenmesser zählt runter und ich habe den Eindruck, trotz nur leichten Gegenwindes, mich nicht von der Stelle zu bewegen. In 1000 m endlich wieder Steigen. Ohne den Bart wäre bei dem hochgelegenen Gelände selbst der nächste Flugplatz mit der Wahnsinnsgleitzahl von 1:19 nicht zu erreichen gewesen.
Endlich wieder oben, ein Stück auf Kurs geflogen, und schon wieder unten. Aber Flugplatz Plettenberg ist erreichbar. An der Hangkante grabe ich wieder einen Bart aus, erst schwach, dann stärker werdend. Das Kurbeln mit 50 km/h ist anders als gewohnt. Ständig muss ich nachsteuern. Der Sprung über das Ebbegebirge ist geschafft, dann wolkenlos. Deshalb halte ich mich westlich Richtung Bergneustadt. Die bärte werden besser, die Basis geht auf 1700 m hoch. Südlich von Bergneustadt kaum noch Flugplätze in erreichbarer Nähe: jetzt bloß nicht tief kommen.
Der Südwind bremst stärker als gedacht. Ich rechne zurück: 35er Schnitt. In der Rhönlerche zieht es wie Hechtsuppe. Die Füße sind kalt und die Kälte kriecht die Beine hoch. Die Nullgradgrenze liegt an diesem Tag bei 1200 m.

östlich von Dierdorf-Wienau. Über der Wende alles blau. Ich nehme meinen Mut zusammen, gleite zur Wende, Foto, wieder zurück an sonnenbeschienene Waldhänge. Das Foto hat wieder kostbare 50 m gekostet. Wegen der hohen Fläche erfordert das Fotografieren eine Querlage von über 45°. Schon ziemlich tief erwische ich einen Nullschieber und parke. Allmählich wird er stärker und bringt mich nach viel Geduld wieder auf 1500 m. Ein Blick auf die Uhr: bei diesem 35er Schnitt scheint das ursprüngliche Vorhaben bereits zum Scheitern verurteilt.
Mit Anschluss an die Wolkenbasis (jetzt bei 2000 m) werden die Bärte besser. Also weiter auf Kurs. Stellenweise kann ich mit 100 km/h unter der Wolkenbasis entlangpreschen. Kurz vor der Sackpfeife Ernüchterung: östlich klafft ein großes Wolkenloch. Für den Discus bei 2000 m Basis sicherlich nur ein müdes Lächeln, für den Rhönstein ein unüberwindbares Hindernis. Da ich keinen Rückholer habe entschließe ich mich nach einem Foto in Bad Laasphe zur Umkehr.
Die Wolken laufen breit und schirmen die Sonneneinstrahlung ab. Teilweise muß ich 800 m Höhe verbrauchen, ohne dass es einmal zuckt. Das macht zwar schnell, aber ich bin auch schnell unten.
Attendorn Finnentrop ist schon nicht mehr erreichbar. Da vorne scheint noch etwas Sonne in einen Steinbruch. Erst nach einigen Suchkreisen finde ich in bedenklich niedriger Höhe den rettenden Aufwind.

Weiter geht es unter Wolken bis Attendorn. Die Füße tun nicht mehr weh, da ich sie überhaupt nicht mehr spüre. Nur die Betätigung des Seitenruders ist wenig gefühlvoll. Über Altena Hegenscheid kreisen 2 Flieger. Ich drehe mich noch mal auf 2000 m hoch. 18.00 Uhr, das Thermikende ist für 19.00 Uhr vorhergesagt und im Westen über Gevelsberg sind noch Wolken. Ich gleite hin und finde noch mal Anschluss.
Jetzt schnell das Foto und ab nach Hause. Der Gegenwind knabbert an der komfortablen Höhe. Endlich geschafft! Nach 7 Stunden 30 Minuten lande ich auf dem schaffreien Flugplatz. Dirk und Phillip helfen mir beim Aussteigen. Die erste Viertelstunde kann ich kaum laufen.
Mein Aufruf an alle Rhönlerchenflieger: lasst uns die 500 knacken!
Übrigens hätte man mit einem Discus an dem Tag 550 km fliegen müssen, um durch den Index auf dieselbe Punktzahl zu kommen.


